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Werkkomplex zum Glück
     
 

IIII / 41°
No Camping!

Fotografie, Lambda-Print, 42 x 42 cm (je 13 x 19)
(Ausstellungsansicht: dienstgebäude Zürich)


















Wie »Bootsfahrt« (2007) auch, geht diese Arbeit von der Untersuchung eines Medienbildes aus – dem Besuch von Revolutionsführer Gaddhafi bei Ministerpräsident Berlusconi im Juni 2009. »No Camping« bezieht sich im Werktitel auf die sehr medienwirksame Gewohnheit des egozentrischen Pop-Diktators, im jeweiligen Gastland sein Zelt aufzuschlagen und beschränkt sich ästhetisch auf drei wesentliche machtpolitische Bildmotive: auf den Roten Teppich, auf die Opferrolle, auf Auszeichnungen. Durch diese Fokussierung konzentrieren wir uns auf den Wahnsinn, der auch in Lewis Carrolls Erzählung »The Hunting of the Snark« steter Begleiter der Glückssuche ist. Die Verhältnisse rutschen ins Groteske, und die sich anziehenden Gegensätze Sympathie und Abscheu, Eitelkeit und Grauen keimen auf: Mit gebleckten Zähnen erstarrt die verzerrte Miene.

IIII / 41°
Union 96

250 x 180 cm; Stoffe, Stecknadeln, Kupferrohr















2009: Über den Zeitraum der Ausstellung lässt data das finale Werk des Glücksprojekts entstehen. Der Aufruf »Union 96 – Wege zum Glück« folgt auf den 2007 angekurbelten Aufruf »Welche Farbe hat das Glück?«. Auf der Grundlage der 96 nun vorliegenden Farbkarten versammeln sich die jeweiligen Partizipanten vor Ort und stellen das Gründungssymbol ihres Zusammenschlusses, basierend auf einer Sammlung von Glücksfarben, her. Der kleine Eingriff des Einzelnen ermöglicht das kollektive hissen der Flagge »Union 96«, gefertigt aus ebensovielen einzelnen Stoffstücken. Das Objekt steht Carrolls 5. Krampf, «Die Lektion des Bibers«, nahe — der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Schlachter und Biber, deren Ursprung eher in der kollektiv empfundenen Angst denn im gegenseitigen Mitgefühl zu finden ist. Nur von Stecknadeln zusammengehalten, weisen die Stoffstücke zwar auf die Fragilität des großen humanen Projekts der Gemeinschaft, das Hissen der Flagge als Akt jedoch gibt den Wert der leeren Karte der Statuierung einer willkürlichen Ordnung preis, innerhalb der nur einige wenige ihren Platz finden werden. »Union 96« bedient das zweifelhafte Ein- und Ausschlussverfahren unserer Demokratie und wird errichtet auf dem schmalen Grat zwischen Geborgenheit und Nationalismus.

IIII / 41°
»Maßstab in
Meilen .. .. . .... .«

Ausstellungsprojekt, temporäre Galerie mü, Zürich / 28.–31.05.09













2009: Für »Maßstab in Meilen .. .. . .... .« hat data fünf Künstlerfreundinnen und -freunde mit dem Begehren eingeladen, innerhalb einer Zeitspanne von vier Wochen mittels zwei ausführlichen Gesprächsrunden zunächst zu einem Ausstellungskonzept, in der Folge zu einer Reihe neuer Arbeiten und schließlich zu einer Ausstellung zu gelangen, deren zentrales Anliegen nebst den Werken die persönliche Anwesenheit am Ort sein soll. Mit dem einzigen bereits bestehenden Werk der Ausstellung — dem Foto-Triptychon »The Bellman’s Speech« — hat data eine erste Markierung gesetzt. Hernach bestand die Herausforderung darin, gemeinschaftlich ein konzeptionelles Vehikel in Bewegung zu setzen. Der in der Ausstellung sichtbare leere Rahmen wahrt die Autonomie des einzelnen Werks und schafft gleichermaßen Verbindungslinien, die den zugrundeliegenden Diskurs noch einmal andeuten sollen.

»Union 96 – Wege zum Glück«, Gäste-Aufruf zur Partizipation am Objekt;
»Union 96«, Stoffe, Stecknadeln, Kupferrohr, ca. 250 x 180 cm


IIII / 41°    
CARPE NOCTEM! 
Nacht-Installation mit Gästen; Dauer: 6 Nächte

2009: Eine Intervention von «data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit»
im Rahmen der «ZwischenSpiele» im KunstRaum R57, 21.–27.01.2009, Röschibachstrasse 57, 8037 Zürich, www.R57.ch





Für sechs Nächte verwandelt sich der Kunstraum in eine Schlaf-, Traum- und Arbeitsstätte, in der sechs Gäste dem permanenten Mangel an transzendenten Erlebnissen nachforschen, um so kreative Praktiken zwischen Cis-, Meta- und Trans-Zuständen gegen das Unglücklichsein zu erproben. Am jeweiligen Morgen danach sind Interessierte eingeladen, am schöpferischen Potential der vergangenen Nacht teilzuhaben. Über den Zeitraum der Intervention ist die Videoinstallation «Traum I» von außen zu sehen. «data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit» entwickelt und untersucht parasitäre Strategien in Kunst und Theorie – der Gast erbringt seinem Wirten also ebenfalls einen Dienst. »Der unberechenbare Zeuge«, ein Kopiererprodukt, erfasst das Material dieser sechs Nächte und wird am letzten Abend von CARPE NOCTEM! präsentiert.
«data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit» arbeitet derzeit an einem Fragenkomplex über Glück, dessen Bestandteil auch CARPE NOCTEM! ist. Den einzelnen, dieser «Jagd nach dem Glück» entspringenden Arbeiten liegt die absurde Erzählung «Die Jagd nach dem Schnatz, eine Agonie in 8 Krämpfen» von Lewis Carroll zugrunde. Diese berichtet von einer außergewöhnlichen Schatzsuche: Die Anwesenden – Captain, Makler, Bankier, Hutmacher, Billard-Markör, Bäcker und Biber – befinden sich mit Hilfe einer leeren Ozeankarte auf der Suche nach dem «Schnatz», worunter das Glück zu verstehen ist. Die Erzählung stellt das Empfinden und die Herangehensweise jedes einzelnen Protagonisten während dieser Jagd in den Vordergrund.
Die Nacht-Installation CARPE NOCTEM! folgt dem 6. Krampf «Der Traum des Anwalts» und bildet einen Hort zwischen Intimität und Öffentlichkeit mit dem Zweck der Selbst- und Fremdbeobachtung, um in der Einsamkeit einer kalten Winternacht der Frage nachzuforschen: Are you happy?

»Der unberechenbare Zeuge«, Kopierer-Publikation,
DIN A5, 92 S., Audio-CD, Kleinauflage; 20,– CHF
Bestellung bitte an: gast@menuedata.net















IIII / 41°    
ZU GAST BEI
CARPE NOCTEM! 
»Schläfer«, Performance von Franz Gratwohl, 21.01.2009

und »Are you Happy? (2009/1966)«, Besucherbefragung mit Merlin Zuni, 21.01.2009















CARPE NOCTEM! Eine Nacht-Installation
data präsentierte: sich selbst.
2010: Fr. 29.10., 18.19 Uhr bis Sa. 30.10., 08.09 Uhr. Centre PasquArt, Biel/Bienne
Im Rahmen der Ausstellung »Felicità – Freude, Glück und Emotionen in der zeitgenössischen Kunst« www.pasquart.ch

IIII / 41°     Traum 1 
Videoinstallation; Video, 1:37 Min., Loop, Projektion auf Fenster; Seifenobjekt, Stecknadeln

»Der unberechenbare Zeuge«, Kopierer-Publikation, Kleinauflage








2009: Die Arbeit »Traum 1« wurde im Rahmen der Intervention »CARPE NOCTEM!« im KunstRaum R57 gezeigt. Die auf das Fenster projizierte und von außen wie innen gleichermaßen sichtbare Videoarbeit »Traum I«, hinter der sich »CARPE NOCTEM!« abspielt, zeigt über die gesamte Ausstellungsdauer eine Traumsequenz, in der sich eine Frau scheinbar endlos Stecknadeln aus dem Mund zieht und dabei zunehmend in Panik gerät. Ein solcher sogenannter indirekter Angsttraum tritt in Stresssituationen als unberechenbarer Zeuge von unterbewussten Verarbeitungsprozessen auf. Die Stecknadeln werden in Richtung des zweiten Fensters abgelegt, das eine bergartige, mit Stecknadeln besetzte Seifenplastik zeigt. Aus Resten des Seifen-Objekts »84« (06.2007) entstanden, verweist dieses Objekt – wie die Vanitas-Gegenstände und
die Nacht selbst – auf die Vergänglichkeit des Daseins.

I / 41°     The Lebanon Tapes 
Audioarbeit, Tape #58 und #59, ca. 90 min

2002: Das Projekt entstand im Zusammenhang mit der documenta 11 im Rahmen
einer Semesterarbeit. Die Arbeit setzt sich mit der Thematik der Künstlergruppe
The Atlas Group
auseinander. Deren Hauptanliegen ist das alltägliche Leben mit und im Libanesischen Bürgerkrieg – abseits der beachteten Kriegsschauplätze.
The Lebanon Tapes
spielt ebenso wie die Arbeiten von The Atlas Group mit einer unscharfen Grauzone, die sich zwischen Fakt und Fiktion, zwischen scheinbar
exakter Geschichtswissenschaft und subjektiver oral history, bewegt.





















I / 41°   
visual kidnapping
Mail-Art-Postkarte, 12 x 16 cm

work in progress, seit 2003: »visual kidnapping« ist ein mobiles Archiv, für welches wir in verschiedenen Städten (bisher: Berlin, München, Zürich, ehem. Jugoslawien) Zeichen der Streetart Culture sammeln und auf unterschiedliche Weise wieder in die Öffentlichkeit einspeisen. Ein derzeit (bei 33°) aus diesem Archiv hervorgehendes Produkt sind die »kidnapped fonts«: aus den gesammelten Zeichen werden städtespezifische free-fonts generiert.


IIII / 41°     84 
Seifenskulptur
100 x 100 x 15 cm, Glycerinseife, Bronze

2007: Die Arbeit »84« steht für das letzte, achte Kapitel des Zyklus »Jagd nach dem Glück« (siehe auch unter 29° angefangen) und unterliegt dem Gedanken des Memento Mori, dem Satz »Bedenke, daß du sterben mußt«. In Lewis Carrolls Fabel »The Hunting of the Snark« gibt es ein Schlüsselzitat, aus welchem wir die Idee, Seife als Material einzusetzen, entlehnen: »Sie suchten mit Handschuhn - und suchten mit Plan; Sie jagten mit Hoffnung und Gabeln; Sie bedrohten sein Leben mit Aktien der Bahn; Sie lockten mit Seife und Fabeln.« Die Seifenskulptur »84« wurde für den öffentlichen Raum konzipiert.
Uns interessierte die Vergänglichkeit bzw. Haltbarkeit des Materials.
Mittels der visuellen Erscheinung einer Grabsteinplatte, versehen mit einem aktuellen Todesjahr einer weiblichen Person, wollten wir eine reale Biografie aufscheinen lassen, die womöglich auch die unsrige oder die der Betrachterin sein könnte. Eine Frau in der Schweiz hat 2007 laut dem Bundesamt für Statistik eine durchschnittliche Lebens­erwartung von 84 Jahren. Davon ausgehend, dass die Durchschnittsfrau im aktuellen Jahr 2007 sterben wird, recherchierten wir auf Zürichs größtem Friedhof 'Sihlfeld' nach sämtlichen bereits verstorbenen Frauen aus dem Geburtsjahrgang 1923. Aus allen vorgefundenen Namen ermittelten wir den häufigsten: TRUDI. Wir notierten uns die Vornamen aller 123 aufgefundenen weiblichen Vornamen und ermittelten den häufigsten: Dicht gefolgt
von Maria und Anna überragte der Name Gertrud bzw. Trudi. Die Inschrift lautet demnach TRUDI 2007–1923.

Auszug aus dem Konzept: Die Jagd nach diesem Glück, die Hatz nach etwas Besserem, Höherem, Weiterem wird in der Erzählung von Lewis Carroll ad absurdum geführt, da schlußendlich derjenige, der das sogenannte Glück findet, sich in Luft auflöst, stirbt:

        »Gerade mitten im Wort, das er halb schon gesagt,
        Gerade mitten im Glück offenbar
        Wurd´er leise zu Luft, wie ein Traum, der verpufft –«
        Lewis Carroll, The Hunting of the Snark

Die Seifenplastik lehnt sich an diesen Gedanken Carrolls an, auf unseren Traum verweisend, der wohl ebenso irgendwann verpuffen wird. Was genau in diesem
Moment des höchsten Glücksempfindens geschieht bleibt offen und der Rezeption
des Betrachters überlassen. Mit unserer hier vorgestellten Arbeit rollen wir Carrolls Geschichte der Glückssucher von hinten wieder auf, indem wir den Betrachter unmittelbar mit seinem eigenen Ableben konfrontieren. Wir legen das Sterbedatum
auf den Beginn der Ausstellung und provozieren damit (wenn es glückt) eine Zurückverfolgung einer möglichen Biographie unserer fiktiven beerdigten Person – zurückgeworfen auf die eigene.
Die Seife als Material unterstützt die Thematik der Vergänglichkeit. Der Witterung ausgesetzt, wird sie stetig weniger, und die Spuren des Individuums werden verwischt und weggeputzt. Regenwetter breitet den besetzten Meter schließlich aus und er
setzt sich fort. Gleich einem parasitären System heftet sich die Masse an den Vorbeigehenden fest. Die gleitende und rutschige Eigenschaft der Seife vermittelt Unsicherheit, verlangsamt den Schritt. Man hält inne, achtet auf seinen Schritt, bemerkt eine Störung im Vertrauten.
Als Werkzeug der Reinlichkeit kann man die Seife gleichzeitig als Metapher der Suche nach dem Glück behandeln: man erhofft sich eine kathartische Wirkung, die zur ersehnten »Reinheit des Gewissens« führt, zu einem inneren Gleichgewicht. Ist die Seifen-Grabsteinplatte schlußendlich verwittert, bleiben lediglich die metallenen Buchstaben zurück. Die Körperlichkeit tritt zugunsten der Erinnerung an das Erlebte,
an eine Person oder an den Ort, zurück. Die Erinnerung daran aber fabuliert weiter
und eröffnet Freiräume für eigene Glücks- und Überlebensstrategien.

Das Seifenobjekt lag unter freiem Himmel am Seeufer des Zürichsee im Areal der Roten Fabrik. Es unterlag somit einem herbeigeführten Verfallsprozess zwischen Sonne, Regen und Langfingrigkeit.
Die Seife wurde von der Firma permatin AG – Seifenkultur hergestellt und gesponsort.

Ausgestellt am Seeufer beim Kulturzentrum Rote Fabrik in Zürich im Rahmen des internationalen Theaterfestivals »OKKUPATION!«, 05.–17.06.2007


IIII / 41°     84 / Modell 1:5
20 x 20 x 5 cm; Glycerinseife, Bronze; auf Sockel

2007: Die Arbeit »84/Modell 1:5« ist innerhalb des Projektzyklus' »Jagd nach dem Glück« eine weitere memento-mori-Studie, welche im Seifenobjekt »84« ihren Anfang nahm. An die Stelle der Skulptur »84«, welche für den Verfall bestimmt war und in der ursprünglichen Fassung nicht mehr existiert, tritt ein Modell im Maßstab 1:5, das nachträglich aus der restlichen Seife der ursprünglichen Skulptur entstanden ist. Durch die Präsentation im musealen Raum wird das Objekt dekontextualisiert und erfährt Schutz. Der Aspekt der Reinheit rückt in den Vordergrund.


IIII / 41°     Soap To Use
ca. 5 x 5 x 1 cm; Glycerinseife mit Prägung; 50 handgefertigte Multiples

2007: »Soap to Use« sind aus dem Rest des Seifenobjekts »84« herausgeschnittene kleine handsame Waschstücke für den täglichen Gebrauch in limitierter Auflage. Die Prägung mit der Inschrift »TRUDI 2007–1923« verweist auf das übergeordnete Thema des Projektzyklus’ »Jagd nach dem Glück«. Der Zyklus lehnt sich an Lewis Carrolls Fabel »Hunting of the Snark« an. Diese berichtet von einer außergewöhnlichen Schatzsuche: Die Anwesenden, ein Captain, Makler, Bankier, Hutmacher, Billard-Markör, Bäcker und ein Biber, befinden sich auf der Suche nach dem »Schnatz«, worunter nach Carrolls Worten das Glück zu verstehen ist. Die Erzählung stellt das Empfinden und die  Herangehens­weise jedes einzelnen Protagonisten, während dieser Jagd nach dem Glück, in den Vordergrund. Wir bedienen uns des Nonsense-Gedichts und versuchen eine Form der Neubearbeitung. Die Fabel ist in acht Kapitel untergliedert und sie trägt die Unterzeile »Agonie in acht Krämpfen«.

»Soap To Use« steht in engem Zusammenhang zu dem Objekt »84«, das
im Juni 2007 im Rahmen des internationalen Theaterfestivals OKKUPATION! in Zürich gezeigt wurde. Durch die handsamen Waschstücke »Soap To Use« erhält die Arbeit »84« eine Zuspitzung: Das Gedankenspiel des memento mori wird weitergetragen – hinein an private Waschbeckensituationen und verknüpft mit individuellen haptischen Erlebnissen. »Soap to Use« ist ein Waschstück aus Glycerinseife.

Ausgestellt in »Bildwelten_1« im KunstRaum R57, Zürich, 01.–23.12.2007
Ausgestellt in »Utopie des Raums« am Kyrgyz National Museum of Fine Arts in Bishkek; 25.03.–10.04.2008


IIII / 41°   Blick zurück nach vorn
Seife 001–004

15 x 19 cm; Fotografie auf Textil gedruckt


2007: »Blick zurück nach vorn I« zeigt Szenen aus dem alltäglichen Umfeld: ein an der Wiese lehnendes Fahrradpaar, eine Hortensienblüte, ein Duschbad oder eine Nachtaufnahme einer Stadt. In jeder Szene befindet sich ein Reststück des Seifenobjekts »84«. An dieser Arbeit interessiert uns einerseits die Ästhetik des Materials Seife, ihre unmittelbare haptische wie diaphane Qualität. Andererseits fasziniert uns die alltägliche Auseinandersetzung mit dem Gedanken an das »memento mori« – an die eigene Sterblichkeit; an die stete Befragung nach der Zufriedenheit mit der eigenen Biografie. Wie entwickelt sich der Blick auf die Umgebung, hält man sich diesen Gedanken stets bewusst aufrecht; ist es der extraordinäre Blick auf das Schöne, sinnlich Erfahrbare, womöglich einmalige und letzte Erleben eines Ereignisses?
In der ersten Empfindung erscheinen die abgebildeten Bildwelten aufgeräumt, solid, belanglos. Auf den zweiten Blick wird diese erste trügerische Sicht brüchig: Was hat dieser undefinierbare Block im Bild zu bedeuten, was ist das? Durch die Anwesenheit der Seife entsteht eine Komplizenschaft zwischen der Bildwahrheit und dem »memento mori«, aufgedrängt durch den Verweis auf das Flüchtige und Vergängliche – durch Eigenschaften, die der Seife immanent sind. Die ästhetische, beinah idyllische Darstellung dient hier als Vehikel einer Tiefenschärfe jenseits von flüchtiger und scheinbarer Belanglosigkeit.

Ausgestellt in »Bildwelten_1« im KunstRaum R57, Zürich, 01.–23.12.2007
Ausgestellt auf der »Kunstszene Zürich«, 21.12.2007–06.01.2008


IIII / 41°     Bootsfahrt
Videomontage mit Tonspur, Farbe, 2:48 Minuten

Die Animation zeigt zwei Varianten einer Glückssuche, verwoben durch die Art der Gefühle, die um Hoffnung, Erwartung, Scheitern, Enttäuschung, Langeweile und Bangen des Wartens kreisen. Die Klänge plätschernden Wassers und die Vaporetti in den Kanälen Venedigs suggerieren unbestimmtes Warten in angenehmer Trägheit. Für einen Augenblick nur drängt sich die Vorstellung von einem überfüllten Flüchtlingsboot auf: Eine hoffnungsvolle Suche nach dem Glück gepaart mit Todesangst. Die Tonspur geht über in die Realität, welche auf die Flüchtlinge wartet, die das vermeintliche Glück ergreifen können. »Bootsfahrt« wurde im Innern der fahrbaren Badekabine präsentiert.

Ausgestellt auf der Kunstszene Zürich; 21.12.2007–06.01.2008
Ausgestellt auf der »Regionale 9« in der Kunsthalle Basel; 30.11.2008–04.01.2009








IIII
/ 41°     The Bellman´s Speech
13 x 19 cm; Farbfotografie, 3 Lambda-Prints auf PVC mit Text in Kartonmappe; Auflage: 8 Ex.
30 x 45 cm; Farbfotografie, 3 Lambda-Prints auf Aluminium; Auflage: je 5 Ex.

The Bellman´s Speech (001), 2007: Eine Kuh unterwegs an einem Strand in Albanien: findet sie zwischen Müll und Meer ihr Glück?
The Bellman´s Speech (002), 2008 (Objet trouvé): Matrosen auf hoher See
The Bellman´s Speech (003), 2008: Eine Kuh unterwegs auf einer Strasse in Bosnien, hinter ihr ein rauchendes Kraftwerk: ob das Glück sie findet?

Ausgestellt auf der Kunstszene Zürich, 21.12.2007–06.01.2008 (nur »The Bellman´s Speech (001)«, 13 x 18 cm im Innern von »Ohne Titel/fahrbare Badekabine«)
Ausgestellt in »Bildwelten_2« im KunstRaum R57, Zürich, 30.11.–21.12.2008


IIIIII / 41°     CRUX - ein Wagnis für vier Spieler
ca. 40 x 40 cm, Brettspiel mit Spielanleitung, Spielfiguren, Text- und Bildkarten; Prototyp

2002: In der Arbeit »CRUX - ein Wagnis für vier Spieler« stehen sich, in Form eines Brettspiels, Gewalt und Ästhetik gegenüber. Läßt sich ein Spieler darauf ein, kann eine Situation entstehen, in der man, mittels gewaltförmigen verbalen Aktionen, visuellen Motiven oder diskursiven Strategien mit unterschiedlichen Formen der Gewalt - im Korsett der Ästhetik - konfrontiert wird.

Ausgestellt in »Gewalt-Bilder« am Museum Bellerive, Zürich; 07.02.–19.05.2002