Menue data
Gast data
angefangen
transformiert
zitiert
produziert
Werkkomplex Glück
Depot data
     
 

IIIII / 41° 
TRACKCKING 1-2-3-4


Trackcking 1–4, Workshops und Spaziergänge in Zusammenarbeit mit asylsuchenden Personen des Empfangs- und Verfahrenszentrums Bässlergut, Basel-Kleinhüningen; 2016   

Workshops, Start: BBLACKBOXX www.bblackboxx.ch/   

Ziel, Verpflegung, Tracing: ARTACHMENT www.artachment.com/



Um GRENZGÄNGE, VERORTUNG, ANEIGNUNG und ORAL HISTORY drehen sich die TRACKS 1–4, die data im Dreiländereck von Basel unternimmt. Das EU-Grenzgebiet hinterfragt Grenzen auch hier und wir thematisieren diese vor dem Hintergrund aktueller Fluchtbewegungen: Überwachung, Überschreitung, Ein- und Ausschluss, Immigration, Emigration, Hoffnung, Verlust, Ausweisung sind nur einige der kursierenden Ängste. Während vorherigen Treffen mit BewohnerInnen des Empfangs- und Verfahrenszentrums (EVZ) Bässlergut sowie interessierten PasssantInnen im BLACKBOXX, schreiben wir nicht ortskundigen  in einem gemeinsamen Mapping neue Biografien und fremde Historie in die Karte von Kleinhüningen ein. Im Zentrum dieser Mappings stehen die derzeit im EVZ untergebrachten Menschen. Um ein Kennenlernen und Gespräche anzuregen, begeben wir uns zum nahen Kunstraum, der ein OPEN BORDER CAFE ist, das die EVZ-Leute teils selbst betreuen. An den Samstagen vor den TRACKS berichten sie in dem geschützten, intimen Rahmen vor dem ausgebreiteten Stadtplan von ihrer Geschichte – vom prekären Unterwegssein und von ihren Eindrücken bezüglich Basel und der Schweiz. So entsteht eine eigenwillige, subjektive Kartografie, die unseren Bewegungsradius für den darauffolgenden Spaziergang bestimmt.


Die vier Routen:  
TRACK 1: 30./31. Januar
TRACK 2: 13./14. Februar   
TRACK 3: 20./21. Februar   
TRACK 4: 27./28. Februar

Sämtliche biografischen Erzählungen eines Workshops ergeben jeweils eine Wegroute. Das Gehen als gemeinschaftliches Handeln nutzt schließlich den Ort als gesellschaftlich-politischen Diskurs und bietet Möglichkeiten zur Selbstermächtigung innerhalb des Fremden. Angesichts krasser Migrationsbewegungen kommt dem Begriff Selbstermächtigung in Bezug auf Mobilität, Präsenz und städtischer Raum erhöhte Aufmerksamkeit zu.

An insgesamt vier Sonntagen trafen wir uns zu einem Sonntagsspaziergang anhand des Mappings des vorgangegangenen Tages. Die Route führte uns jeweils von der BBLACKBOXX zum ARTACHMENT und dauerte je rund zwei Stunden. TRACING meint schließlich, dass am Zielort die hinterlassenen Spuren und berührten Orte sogleich dokumentarisch festgehalten. Nach jedem TRACK füllte sich das kleine ehemalige Zollhäuschen innen (mit Kartenmaterial, Fotos, Fundstücken) und außen (durch Gesprächsprotokolle als Wandzeitung) zunehmend. Ein Schnurgespann übertrug die erwanderten Koordinaten als Mapping in den Raum, der mit jedem TRACING unzugänglicher wurde. Das TRACING war für PassantInnen jederzeit durch die Fenster einsehbar. Bei jeder Ankunft im ARTACHMENT wurden wir von einer Gast-Köchin oder einem Gast-Koch bewirtet. Dafür dankt data Eric, Misha und Lika.

Das Projekt wurde unterstützt durch das Institut Kunst der HGK FHNW



IIIIII / 41°
hau DER LOHNENDE TAUSCH



hau DER LOHNENDE TAUSCH rechnet mit Zeit:   
Wer gibt wem wofür wieviel wovon warum? Unser Beitrag  ist eine Versuchsanordnung zu dieser Fragestellung und ermittelt das Verhältnis von Wert/Zeit/Arbeit. Mit den BewohnerInnen der Region Bucheggberg erprobten wir einen solchen Tauschhandel. Zentral war allerdings nicht der Tauschgegenstand, sondern die Investiton von Zeit durch tatsächliche Anwesenheit. Eine Stunde Arbeit ist eine Stunde ist eine Stunde ist eine Stunde…: Mit der Wertschätzung von Zeit wird auch dem eigenen Dasein Sorge getragen. Nicht nur Arbeit gegen Arbeit, nicht nur Ware gegen Ware tauschen, sondern vielmehr den Wert von Zeit aktiv verhandeln ist das Bestreben von »hau«.

hau DER LOHNENDE TAUSCH rechnet mit Zeit und Anwesenheit:  
Die 15 für unser Anliegen gewonnenen KomplizInnen ermittelten in einem ersten Tauschhandel die Bedürfnisse und Anliegen der Bucheggberger, indem sie von uns erstellte Fragebogen zum Thema  Wert/Zeit/Arbeit verteilten und wieder in die hauBOX einsammelten. Für jeden erhaltenen Bogen schenkten sie etwas Kleines zurück, wie zum Beispiel ein Stück Schokolade, handgefertigte Lavendelsäckchen, einen Spruch, oder einen Espresso. In der zweiten Phase des Tauschs wird durch uns die angesammelte Zeit an die KomplizInnen abgegolten. Jeder ausgefüllte Fragebogen hat einen Zeitwert von 5 Minuten. Die KomplizInnen könne diese für Hilfsarbeit von unserer Seite einlösen. Die gezielte Aufgabe wird vorher ausgehandelt. Ein Beispiel: Beim Komplizen der Conditorei Schluep in Messen hatten wir 11 ausgefüllte Fragebögen in der hauBOX. Dies entspricht bei 5 Minuten je Formular also 55 Minuten, die wir der Conditorei im Tausch an das Ehepaar Schluep zurückgeben.

hau DER LOHNENDE TAUSCH rechnet mit Zeit und Anwesenheit und Dialog:  
Rund 60 Stunden verbrachten wir für dieFeldforschung »GLÜCK GEHABT« in der Region Bucheggberg. Die Aufenthalte haben uns gezeigt, dass Zeit und Anwesenheit und Dialog wertvolle und aktuelle Güter sind, die als immaterielle Werte geschätzt werden und durchaus verhandelbar sind. Diess Intervention bleibt ein Versuch, den allgemein gefühlten Mangel an Zeit dingbar zu machen und dabei auf Nebenschauplätze zu verweisen ohne die das hau verkümmern würde. Ein hau beschreibt das Herzstück eines jeden Tauschs und meint den Geist einer gegebenen, den Wert einer geschenkten Sache, die mit jedem Austausch erneuert, erhalten und vor allem wieder wertgeschätzt wird.


»hau Flag (TRADITION)«: 
Die Flagge wird gehisst
(Ansicht: Ausstellung »FeldForschung vol. 3 – Glück gehabt«, Kyburg/Buchegg SO)


»hau Flag (TRADITION)«:
Stoff, Faden, Stickrahmen; Partizipation
(Ansicht: Ausstellung »FeldForschung vol. 3 – Glück gehabt«, Kyburg/Buchegg SO)


»hau SPEAKER‘S CORNER: The value of spoken presence«: 
Podest, Megaphon, Papierstapel, Wörter, Schnur; 2013 
(Ansicht: Ausstellung »FeldForschung vol. 3 – Glück gehabt«, Kyburg/Buchegg SO)




Die Kuratorin Béatrice Bader über »FeldForschung vol. 3 – Glück gehabt«: Glück gehabt? Fragen nach dem Glück und dessen Kehrseite scheinen allgegenwärtig, Glücksforschung ist zu einem eigentlichen Forschungsthema geworden. Blosse Konsumwut in kapitalistischen Zeiten löst ebenso wenig das Versprechen auf anhaltendes Glück wie die unablässige Jagd nach demselben. Vielleicht aber findet sich das Glück am kleinen unbestimmten Ort. Angesichts der Komplexität unserer Gesellschaften werden politische, soziale, gesellschaftliche Spannungsfelder um Gewinnmargen, Produktionsbedingungen, Rücksichtnahme und Umgang mit natürlichen Ressourcen permanent öffentlich verhandelt. FeldForschung nimmt sich diesem Diskurs an mit dem Versuch, mittels künstlerischem Forschungstrieb neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die künstlerische Praxis der zehn beteiligten Positionen untersucht auf unterschiedliche Weise Fragestellungen zu historischen, gesellschaftlichen und politischen Phänomenen der Region Bucheggberg im Kanton Solothurn. FeldForschung fragt nach ästhetischen Formaten um innerhalb solcher Konfliktfelder neue Handlungs- und Denkräume zu eröffnen: Welches sind die Strategien, Verfahren, Bedingungen und Prozesse der Kunstproduktion unter Einbezug der Gegend und ihren BewohnerInnen?

II / 41°
No Camping!

Fotografie, Lambda-Print, je 13 x 19 cm
Ausstellungsansicht: dienstgebäude Zürich


Wie »Bootsfahrt« (2007) geht diese Arbeit von der Untersuchung eines Medienbildes aus; von dem Besuch Gaddhafis bei Berlusconi im Juni 2009. »No Camping« bezieht sich im Werktitel auf die medienwirksame Gewohnheit des egozentrischen Diktators, im jeweiligen Gastland sein Zelt aufzuschlagen und beschränkt sich ästhetisch auf drei machtpolitische Bildmotive: den roten Teppich, die Opferrolle, die Auszeichnungen. Wir konzentrieren uns somit auf den Wahnsinn, der auch in Lewis Carrolls Erzählung »The Hunting of the Snark« ein steter Begleiter der menschlichen Glückssuche ist. Die Verhältnisse rutschen ins Groteske, und die sich anziehenden Gegensätze Sympathie und Abscheu, Eitelkeit und Grauen keimen auf: Mit gebleckten Zähnen erstarrt die verzerrte Miene.




IIIII / 41°
Union 96




















2009: Über den Zeitraum der Ausstellung lässt data das finale Werk des Glücksprojekts entstehen. Der Aufruf »Union 96 – Wege zum Glück« folgt auf den 2007 angekurbelten Aufruf »Welche Farbe hat das Glück?«. Auf der Grundlage der 96 nun vorliegenden Farbkarten versammeln sich die jeweiligen Partizipanten vor Ort und stellen das Gründungssymbol ihres Zusammenschlusses, basierend auf einer Sammlung von Glücksfarben, her. Der kleine Eingriff des Einzelnen ermöglicht das kollektive hissen der Flagge »Union 96«, gefertigt aus ebensovielen einzelnen Stoffstücken. Das Objekt steht Carrolls 5. Krampf, «Die Lektion des Bibers«, nahe — der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Schlachter und Biber, deren Ursprung eher in der kollektiv empfundenen Angst denn im gegenseitigen Mitgefühl zu finden ist. Nur von Stecknadeln zusammengehalten, weisen die Stoffstücke zwar auf die Fragilität des großen humanen Projekts der Gemeinschaft, das Hissen der Flagge als Akt jedoch gibt den Wert der leeren Karte der Statuierung einer willkürlichen Ordnung preis, innerhalb der nur einige wenige ihren Platz finden werden. »Union 96« bedient das zweifelhafte Ein- und Ausschlussverfahren unserer Demokratie und wird errichtet auf dem schmalen Grat zwischen Geborgenheit und Nationalismus.

Union 96 – Wege zum Glück, Gäste-Aufruf zur Partizipation am Objekt;
Union 96, Stoffe, Stecknadeln, Kupferrohr, ca. 250 x 180 cm

Maßstab in Meilen .. .. . .... .
Eine Ausstellung mit Freunden.
Ausstellungskuratorium, temporäre Galerie mü, Zürich / 28.–31.05.2009




















Für »Maßstab in Meilen .. .. . .... .« hat data fünf Künstlerfreundinnen und -freunde mit dem Begehren eingeladen, innerhalb einer Zeitspanne von vier Wochen mittels zwei ausführlichen Gesprächsrunden zunächst zu einem Ausstellungskonzept, in der Folge zu einer Reihe neuer Arbeiten und schließlich zu einer Ausstellung zu gelangen, deren zentrales Anliegen nebst den Werken die persönliche Anwesenheit am Ort sein soll. Mit dem einzigen bereits bestehenden Werk der Ausstellung — dem Foto-Triptychon »The Bellman’s Speech« — hat data eine erste Markierung gesetzt. Hernach bestand die Herausforderung darin, gemeinschaftlich ein konzeptionelles Vehikel in Bewegung zu setzen. Der in der Ausstellung sichtbare leere Rahmen wahrt die Autonomie des einzelnen Werks und schafft gleichermaßen Verbindungslinien, die den zugrundeliegenden Diskurs noch einmal andeuten sollen.

IIII / 41°
CARPE NOCTEM! Eine Nacht-Installation mit Gästen


Intervention: 6 Nächte für 6 Gäste für «ZwischenSpiele», KunstRaum R57, Zürich; 21.–27.01.2009; www.R57.ch 

Publikation: »Der unberechenbare Zeuge«, Fanzine, A5, Farbe; Auflage: ca. 30 Ex.  


Performances: Merlin Zuni, Franz Gratwohl






Für sechs Nächte verwandelt sich der Kunstraum in eine Schlaf-, Traum- und Arbeitsstätte, in der sechs Gäste dem permanenten Mangel an transzendenten Erlebnissen nachforschen, um so kreative Praktiken zwischen Cis-, Meta- und Trans-Zuständen gegen das Unglücklichsein zu erproben. Am jeweiligen Morgen danach sind Interessierte eingeladen, am schöpferischen Potential der vergangenen Nacht teilzuhaben. Über den Zeitraum der Intervention ist die Videoinstallation «Traum I» von außen zu sehen. «data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit» entwickelt und untersucht parasitäre Strategien in Kunst und Theorie – der Gast erbringt seinem Wirten also ebenfalls einen Dienst. »Der unberechenbare Zeuge«, ein Kopiererprodukt, erfasst das Material dieser sechs Nächte und wird am letzten Abend von CARPE NOCTEM! präsentiert.data arbeitet derzeit an einem Fragenkomplex über Glück, dessen Bestandteil auch CARPE NOCTEM! ist. Den einzelnen, dieser «Jagd nach dem Glück» entspringenden Arbeiten liegt die absurde Erzählung «Die Jagd nach dem Schnatz, eine Agonie in 8 Krämpfen» von Lewis Carroll zugrunde. Diese berichtet von einer außergewöhnlichen Schatzsuche: Die Anwesenden – Captain, Makler, Bankier, Hutmacher, Billard-Markör, Bäcker und Biber – befinden sich mit Hilfe einer leeren Ozeankarte auf der Suche nach dem «Schnatz», worunter das Glück zu verstehen ist. Die Erzählung stellt das Empfinden und die Herangehensweise jedes einzelnen Protagonisten während dieser Jagd in den Vordergrund. Die Nacht-Installation CARPE NOCTEM! folgt dem 6. Krampf «Der Traum des Anwalts» und bildet einen Hort zwischen Intimität und Öffentlichkeit mit dem Zweck der Selbst- und Fremdbeobachtung, um in der Einsamkeit einer kalten Winternacht der Frage nachzuforschen:
Are you happy?












Ausstellung: »Traum 1«, Videoinstallation,
Fenster-Projektion, 1' 37'' Loop; Seifenobjekt, Stecknadeln











»Traum 1«, im Rahmen der Intervention »CARPE NOCTEM!« im KunstRaum R57 gezeigt,  wurde auf das Fenster projiziert und war von außen wie innen gleichermaßen sichtbar. »Traum I«, hinter dem sich »CARPE NOCTEM!« abspielt, zeigt nonstop eine Traumsequenz im Loop, in der sich eine Frau endlos Stecknadeln aus dem Mund zieht und dabei zunehmend in Panik gerät. Ein solcher indirekter Angsttraum tritt in Stresssituationen als unberechenbarer Zeuge von unterbewussten Verarbeitungsprozessen auf. Die Stecknadeln werden in Richtung des zweiten Fensters abgelegt, das eine bergartige, mit Stecknadeln besetzte Seifenplastik zeigt. Aus Resten des Seifen-Objekts »84« (06.2007) entstanden, verweist es – wie die Vanitas-Gegenstände und die Nacht selbst – auf die Vergänglichkeit unseres Daseins.


Performances zur Eröffnung am 21.01.2009:

– Franz Gratwohl, »Schläfer« 

– Merlin Zuni, »Are you Happy? (2009/1966)«, Re-enactment einer Besucherbefragung

CARPE NOCTEM! 1 Nacht im Centre Pasquart








data präsentiert: sich selbst! Und empfängt: Gäste!
Fr. 29.10.2010, 18.19 Uhr (Sonnenuntergang) bis Sa. 30.10.2010, 08.09 Uhr
(Sonnenaufgang). Centre Pasquart, Biel/Bienne; eingeladen im Rahmen der
Ausstellung »Felicità – Freude, Glück und Emotionen in der zeitgenössischen Kunst«
www.pasquart.ch



I / 41°     The Lebanon Tapes (Tape #58 und #59)

Das Projekt entstand im Zusammenhang mit Untersuchungen an der von Okwui Enwezor kuratierten Documenta 11 in Kassel im Rahmen einer Semesterarbeit in Kunsttheorie. Die Arbeit setzt sich vertieft mit den Motiven der Künstlergruppe The Atlas Group auseinander. Deren Hauptanliegen ist das alltägliche Leben mit und im Libanesischen Bürgerkrieg – abseits der  beachteten Kriegsschauplätze. »The Lebanon Tapes« spielt ebenso wie alle Arbeiten von The Atlas Group mit dokumentarischen Mitteln in einer unscharfen Grauzone zwischen Fakt und Fiktion, zwischen scheinbar exakter Historie und subjektivistischer oral history.

Audio, Text, ca. 90'; 2002



IIII / 41°    
84 


Skulptur; Glycerinseife, Bronze,
100x100x15 cm, 2007
;
Standort:
Seeufer Kulturzentrum
Rote Fabrik, Zürich; entstanden im Rahmen des internationalen inklusiven Theaterfestivals
»OKKUPATION!«,
05.–17.06.2007


















Die Arbeit »84« steht für das letzte, achte Kapitel des Zyklus »Jagd nach dem Glück« (siehe auch unter 29° angefangen) und unterliegt dem Gedanken des Memento Mori, dem Satz »Bedenke, daß du sterben mußt«. In Lewis Carrolls absurder Fabel »The Hunting of the Snark« gibt es ein Schlüsselzitat, das der Seife als Material zugrunde liegt: »Sie suchten mit Handschuhn - und suchten mit Plan; Sie jagten mit Hoffnung und Gabeln; Sie bedrohten sein Leben mit Aktien der Bahn; Sie lockten mit Seife und Fabeln.« Die Seifenskulptur »84« wurde für den öffentlichen Raum konzipiert. Uns interessierte die Vergänglichkeit bzw. Haltbarkeit des Materials. Ihre ERscheinung als Grabsteinplatte, versehen mit dem aktuellen Jahr als Todesjahr einer weiblichen Person, lassen wir eine reale Biografie aufscheinen, die auch die unsrige oder die einer Betrachterin sein kann. Eine Frau in der Schweiz hat 2007 laut BfS eine durchschnittliche Lebens­erwartung von 84 Jahren. Davon ausgehend, dass diese Frau im aktuellen Jahr 2007 stirbt, recherchierten wir auf Zürichs größtem Friedhof Sihlfeld nach sämtlichen bereits verstorbenen Frauen aus dem Geburtsjahrgang 1923 (2007 minus 84). Aus allen 123 aufgefundenen weiblichen Vornamen ermittelten wir den häufigsten: Dicht gefolgt von Maria und Anna überragte der Name Gertrud bzw. Trudi. Die Inschrift der Seifenplatte lautet demnach TRUDI 2007–1923.Das Seifenobjekt überließen wir dem witterungsbedingten Verfallsprozess.

»Gerade mitten im Wort, das er halb schon gesagt 
Gerade mitten im Glück offenbar 
Wurd´er leise zu Luft 
Wie ein Traum, der verpufft –« 
Lewis Carroll, The Hunting of the Snark

Auszug aus dem Konzept: Die Jagd nach diesem Glück, die Hatz nach etwas Besserem, Höherem, Weiterem wird in der Erzählung von Lewis Carroll ad absurdum geführt, da schlußendlich derjenige, der das sogenannte Glück findet, sich in Luft auflöst, stirbt:Die Seifenplastik lehnt sich an diesen Gedanken Carrolls an, auf unseren Traum verweisend, der wohl ebenso irgendwann verpuffen wird. Was genau in diesem Moment des höchsten Glücksempfindens geschieht bleibt offen und der Rezeption des Betrachters überlassen. Mit unserer hier vorgestellten Arbeit rollen wir Carrolls Geschichte der Glückssucher von hinten wieder auf, indem wir den Betrachter unmittelbar mit seinem eigenen Ableben konfrontieren. Wir legen das Sterbedatum auf den Beginn der Ausstellung und provozieren damit (wenn es glückt) eine Zurückverfolgung einer möglichen Biographie unserer fiktiven beerdigten Person – zurückgeworfen auf die eigene. Die Seife als Material unterstützt die Thematik der Vergänglichkeit. Der Witterung ausgesetzt, wird sie stetig weniger, und die Spuren des Individuums werden verwischt und weggeputzt. Regenwetter breitet den besetzten Meter schließlich aus und er setzt sich fort. Gleich einem parasitären System heftet sich die Masse an den Vorbeigehenden fest. Die gleitende und rutschige Eigenschaft der Seife vermittelt Unsicherheit, verlangsamt den Schritt. Man hält inne, achtet auf seinen Schritt, bemerkt eine Störung im Vertrauten. Als Werkzeug der Reinlichkeit kann man die Seife gleichzeitig als Metapher der Suche nach dem Glück behandeln: man erhofft sich eine kathartische Wirkung, die zur ersehnten »Reinheit des Gewissens« führt, zu einem inneren Gleichgewicht. Ist die Seifen-Grabsteinplatte schlußendlich verwittert, bleiben lediglich die metallenen Buchstaben zurück. Die Körperlichkeit tritt zugunsten der Erinnerung an das Erlebte, an eine Person oder an den Ort, zurück. Die Erinnerung daran aber fabuliert weiter und eröffnet Freiräume für eigene Glücks- und Überlebensstrategien.

Die Seife wurde von der Firma permatin AG – Seifenkultur hergestellt und finanziert.

IIII / 41°    
84 Modell 1:5

Glycerinseife, Bronze; auf Sockel, 20x20x5 cm; 2007

Die Arbeit »84/Modell 1:5« ist innerhalb des Projektzyklus' »Jagd nach dem Glück« eine weitere memento-mori-Studie, welche im Seifenobjekt »84« ihren Anfang nahm. An die Stelle der Skulptur »84«, welche für den Verfall bestimmt war und in der ursprünglichen Fassung nicht mehr existiert, tritt ein Modell im Maßstab 1:5, das nachträglich aus der restlichen Seife der ursprünglichen Skulptur entstanden ist. Durch die Präsentation im musealen Raum wird das Objekt dekontextualisiert und erfährt Schutz. Der Aspekt der Reinheit rückt in den Vordergrund.


IIII / 41°     Soap To Use


Glycerinseife, Prägung, ca. 5x5x1 cm;
50 handgefertigte Multiples; 2007







»Soap to Use« sind aus dem Rest des Seifenobjekts »84« herausgeschnittene kleine handsame Waschstücke für den täglichen Gebrauch in limitierter Auflage. Die Prägung mit der Inschrift »TRUDI 2007–1923« verweist auf den rahmengebenden Zyklus’ »Jagd nach dem Glück«. Dieser lehnt sich an Lewis Carrolls Fabel »Hunting of the Snark« an, in der von einer außergewöhnlichen Schatzsuche berichtet wird: Die Anwesenden, ein Captain, Makler, Bankier, Hutmacher, Billard-Markör, Bäcker und ein Biber, befinden sich auf der Suche nach dem »Schnatz«, worunter nach Carrolls Worten das Glück zu verstehen ist. Die Erzählung stellt das Empfinden und die  Herangehens­weise jedes einzelnen Protagonisten, während dieser Jagd nach dem Glück, in den Vordergrund. Wir bedienen uns des Nonsense-Gedichts und versuchen eine Form der Neubearbeitung. Die Fabel ist in acht Kapitel untergliedert und sie trägt die Unterzeile »Agonie in acht Krämpfen«.
»Soap To Use« ist ein Restprodukt der Seifenskulptur »84«, die im Sommer 2007 im Rahmen des internationalen Theaterfestivals OKKUPATION! entstand. Mit den handsamen Waschstücken wird das Gedankenspiel des memento mori ins Private transferiert – am privaten Waschbecken lassen sich individuelle haptische und olfaktorische Erinnerungen konservieren...

Ausstellungen:
– »Bildwelten_1«, KunstRaum R57, Zürich, 01.–23.12.2007
– »Utopie des Raums«, Kyrgyz National Museum of Fine Arts, Bishkek/KY; 25.03.–10.04.2008


IIII / 41°   Blick zurück nach vorn


Seife 001–004, 15x19 cm; Fotografie auf Textil gedruckt; 2007




»Blick zurück nach vorn I« zeigt Szenen aus dem alltäglichen Umfeld: ein an der Wiese lehnendes Fahrradpaar, eine Hortensienblüte, ein Duschbad oder eine Nachtaufnahme einer Stadt. In jeder Szene befindet sich ein Reststück des Seifenobjekts »84«. An dieser Arbeit interessiert uns einerseits die Ästhetik des Materials Seife, ihre unmittelbare haptische wie diaphane Qualität. Andererseits fasziniert uns die alltägliche Auseinandersetzung mit dem Gedanken an das »memento mori« – an die eigene Sterblichkeit; an die stete Befragung nach der Zufriedenheit mit der eigenen Biografie. Wie entwickelt sich der Blick auf die Umgebung, hält man sich diesen Gedanken stets bewusst aufrecht; ist es der extraordinäre Blick auf das Schöne, sinnlich Erfahrbare, womöglich einmalige und letzte Erleben eines Ereignisses? In der ersten Empfindung erscheinen die abgebildeten Bildwelten aufgeräumt, solid, belanglos. Auf den zweiten Blick wird diese erste trügerische Sicht brüchig: Was hat dieser undefinierbare Block im Bild zu bedeuten, was ist das? Durch die Anwesenheit der Seife entsteht eine Komplizenschaft zwischen der Bildwahrheit und dem »memento mori«, aufgedrängt durch den Verweis auf das Flüchtige und Vergängliche – durch Eigenschaften, die der Seife immanent sind. Die ästhetische, beinah idyllische Darstellung dient hier als Vehikel einer Tiefenschärfe jenseits von flüchtiger und scheinbarer Belanglosigkeit.

Ausstellungen:
– »Bildwelten_1«, KunstRaum R57, Zürich, 01.–23.12.2007
– »Kunstszene Zürich«, Toni Areal, 21.12.2007–06.01.2008


IIIIII / 41° 
Bootsfahrt



Videomontage, Tonspur, 2'48''








Die Animation zeigt zwei Varianten einer Glückssuche, verwoben durch die Art der Gefühle, die um Hoffnung, Erwartung, Scheitern, Enttäuschung, Langeweile und Bangen des Wartens kreisen. Die Klänge plätschernden Wassers und die Vaporetti in den Kanälen Venedigs suggerieren unbestimmtes Warten in angenehmer Trägheit. Für einen Augenblick nur drängt sich die Vorstellung von einem überfüllten Flüchtlingsboot auf: Eine hoffnungsvolle Suche nach dem Glück gepaart mit Todesangst. Die Tonspur geht über in die Realität, welche auf die Flüchtlinge wartet, die das vermeintliche Glück ergreifen können. »Bootsfahrt« wurde im Innern der fahrbaren Badekabine präsentiert.

Ausstellungen:
– »Kunstszene Zürich«, Toni Areal, 21.12.2007–06.01.2008
– »Regionale 9«, Kunsthalle Basel, 30.11.2008–04.01.2009



IIII / 41°    
The Bellman´s Speech


Farbfotografie, Lambda-Prints auf Aluminium; 30x45 cm



The Bellman´s Speech (001), 2007
Eine Kuh unterwegs an einem Strand in Albanien: findet sie zwischen Müll und Meer ihr Glück?

The Bellman´s Speech (002), 2008 (Objet trouvé)
Matrosen auf hoher See

The Bellman´s Speech (003), 2008
Eine Kuh unterwegs auf einer Strasse in Bosnien, hinter ihr ein rauchendes Kraftwerk: ob das Glück sie findet?

Edition: Lambda auf PVC, 13x19 cm; Text, Kartonmappe; Aufl. je 8 Ex.

Ausstellungen: – »Bildwelten_2« im KunstRaum R57, Zürich, 30.11.–21.12.2008
– »Kunstszene Zürich«, Toni Areal, 21.12.2007–06.01.2008 (Edition »The Bellman´s Speech« in der Installation »Ohne Titel/fahrbare Badekabine«)




IIIIII / 41°     CRUX – ein Wagnis für vier Spieler

Brettspiel, Spielanleitung, Spielfiguren, Text- und Bildkarten; Metall, Papier; ca. 40x40 cm, 2002; für 4 SpielerInnen (Prototyp)

Bei der Reise durch »CRUX« stehen sich in Form eines Brettspiels und metallenen Figuren Gewalt und Ästhetik gegenüber. Wer sich einläßt, gerät in Situationen, in der mittels gewaltförmigen verbalen Attacken, visuellen Gewaltmotiven oder diskursiveren Andeutungen, kurz mit unterschiedlichen Gewalt-Formen im Korsett der Ästhetik, ein Vorwärtskommen garantiert wird. Die Frage ist nur, inwiefern die Spielenden bereit sind, diese Werzeuge anzuwenden.
Ausstellung:
»Gewalt-Bilder«, Museum Bellerive, Zürich; 07.02.–19.05.2002; kuratiert von Roger Fayet und Peter Stohler.