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In der Formation data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit entwickeln wir – Daniela Petrini und Tanja Trampe – seit 2003 künstlerische Interventionen und Feldforschungen, an gesellschaftlichen, politischen, sozialen und kulturtheoretischen Fragestellungen Anstoss nehmen. Im sozialen Austausch ermitteln wir in fremder Umgebung und Konstellation bestimmte Situationen und entwickeln daraus künstlerisch orientierte Handlungsformen. Die unterschiedlichen Kooperationen finden sowohl innerhalb als auch außerhalb des Kunstdiskurses statt. Involvement und Prozess spielen dabei eine Hauptrolle, nicht Produkt oder Repräsentation. Medienunabhängig setzen wir Anfänge, legen Fährten, die weiterverfolgt werden können. Dies ist die Arbeitsweise des Parasitäre Prinzips.

Das Parasitäre Prinzip strebt nach Kontext und Diskurs und sucht nach dem Zusammenspiel mit dem unbekannten Gegenüber aus fremden Kreisen. Das Parasitäre Prinzip orientiert sich anhand einer leeren Karte. Das Parasitäre Prinzip konstruiert seine Anfänge aufgrund ambivalenter Marginalien des ihm Geläufigen. Das Parasitäre Prinzip hebt die Trennung von Fakt und Fiktion zugunsten eines Neu-Erzählens auf. Die Arbeitsweise des Parasitären Prinzips generiert ästhetisches Handeln und kann Anziehung oder Abstoßung auslösen. (Petrini/Trampe: Ermittlungen über das hartnäckig-formidable und kreative Potential des Parasitären Prinzips, 2003)

Die Projekte von data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit werden auf menuedata in der Rubrik Gast data dokumentiert. Facts, Links und Downloads finden sich unter Depot data.

Depot data | Zürich resp. Depot data | Basel sind feste Standorte, an welchen Material angelegt, Ideen verfolgt und Erzeugnisse dokumentiert werden.
Gast data sind Interventionen, die meist ortsspezifisch und in sozialen Kontexten stattfinden.
menuedata ist die koordinatenlose, leere Karte, mit deren Hilfe das, was data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit produziert, geordnet, verzeichnet und veröffentlicht wird.
Die leere Karte: Abhängig von ihrem prozessualen Stadium sind die Arbeiten in vier Kapiteln versammelt. Anhand von vier Stufen lässt sich der Stand eines Arbeitsprozesses bis zurück in dessen Archivzustand nachvollziehen oder zu gegebenem Zeitpunkt weiterverfolgen. Eine Materialsammlung oder ein Interview kann ausgelegt resp. transkribiert sein (angefangen), theoretisch vertieft und kontextualisiert (transformiert) oder bereits als eigenständige Arbeit wiedergegeben worden sein (produziert).


*  aktuell 7.2018–7.2019): Reflexionen über das Parasitäre als Arbeitsweise.
Jeden Monat veröffentlichen wir in den sozialen Medien ein Statement als Kalenderblatt.Portfolio 2007–2016


Index

05.2019
Einzelausstellung »Il est onze heures quinze«, Space out, Payerne / 05.05.–30.06.
– Payerne Research Walk (17.03.)
– Cyanotypie, Audio

05.2017
Kuratorische Intervention »WHAT'S COOKING? A re-arrangement | Eine Um-ordnung (On collaboration and parasitic strategies)«, Zwei 50 Std.-Nonstop-Versammlungen, Haus zur Glocke, Steckborn / 05.–07.05. & 12.–14.05. /
11.2016 & 01.2017
Walk »Outside Sunday: Getaway #22 &
#24«, Zürich
– »Küsse mich! Sonst küss’ ich dich!« / 20.11.2016 & 22.01.2017 / outsidesundays.com

11.2016
Gruppenausstellung »Bildwelten_10«, KunstRaum R57, Zürich
– »Grundeinkommen«, Linolschnitt

01./02.2016
Walk »TRACKCKING I–IV«, 4 Workshops und Spaziergänge in Kooperation
mit Asylsuchenden des EVZ Bässlergut und Bblackboxx in Basel; ARTACHMENT, Basel / 30.1.–28.2.2016

10.2013
Gruppenausstellung »FeldForschung vol. 3: Glück gehabt« (Kuratorin Béatrice Bader Sollberger), Schloss Buchegg, Kyburg-Buchegg / 1.9.–6.10.2013
– »hau SPEAKER'S CORNER: VALUE OF SPOKEN PRESENCE«
, 2013; Podest, Megaphon, Schnur, Box mit Texten zum Vorlesen
– »hau FLAG«, 2013; Stoff, Aufhängungsvorrichtung; Intervention: Gemeinsames
besticken und hissen einer Bucheggberg-Flagge
– »hau TIMETUNNEL«, 2013; Found site, Podeste
– »hau ICH BIETE«, 2013; Angebotsheft, ca
.100 S., Aufl. 60 Stk.

09.2013
Gruppenausstellung »What means to be swiss?« (Kuratorin Annemarie Brand), Künstlerhaus S11, Solothurn / 16.8.–13.10.2013 / www.s11.ch
– »hauSPEAKER'S CORNER«

10.2011
Tagung
(Planung/Leitung) »MIT SEIFE UND GABELN – Ermittlungen zum Glück II«, Berlinische Galerie, Berlin / 30.10.2011 / www.berlinischegalerie.de

10.2011
Gruppenausstellung
(Konzept/Kuratorium) »MIT SEIFE UND GABELN – Eine Ausstellung zum Glück II«, Substitut – Raum für aktuelle Kunst aus der Schweiz / 29.10.–10.12.2011 / www.substitut.ch

02.2011
Publikation
(Herausgeberschaft) »MIT SEIFE UND GABELN – Ermittlungen zum Glück«, 208 S./s/w, Revolver Publishing, Berlin, 2011

01.2011
Ausstellung (
Konzept/Kuratorium) »MIT SEIFE UND GABELN – Eine Ausstellung zum Glück«,
Kunstraum Kreuzlingen, Kreuzlingen / 16.01.–27.02.2011 / www.kunstraum-kreuzlingen

10. 2010
Intervention in der Ausstellung »Felicità – Freude, Glück und Emotionen in der zeitgenössischen Kunst« Centre PasquArt, Biel/Bienne / Fr. 29.10., 18.19 Uhr – Sa. 30.10., 08.09 Uhr
»CARPE NOCTEM!«, data ist die ganze Nacht anwesend / www.pasquart.ch
 
12.2009
Gruppenausstellung »catch of the year«, Dienstgebäude, Zürich / 10.–24.12. / www.dienstgebäude.ch 
– »No camping!«, 2009; Fotografie, 3 Lambda-Prints auf Alu

11.2009
Atelierausstellung »raumsprung – interlokal 2009«, offene Ateliers Stadt Zürich / 28.–29.11.
– Werkkomplex Glück, 2007–2009
– »CRUX – ein Wagnis für vier Spieler«, 2002; Brettspiel, Anleitung (Prototyp)

05.2009
Gruppenausstellung (Kuratorium) »Maßstab in Meilen .. .. .... .«, Ausstellungsprojekt für fünf Künstlerfreunde, Temporäre Galerie mü, Zürich / 28.–31.05.
– »The Bellman ́s Speech«, 2008; Fotografie, 3 Lambda-Prints auf Aluminium
– »Union 96 – Wege zum Glück«, 2009; Stoffe, Stecknadeln, Kupferrohr;
Aufruf zur Partizipation

01.2009
Einzelausstellung/Intervention
»Zwischenspiele«, KunstRaum R57, Zürich / 21.–27.01. / www.r57.ch
– »CARPE NOCTEM!«, 6 Gäste nächtigen im Ausstellungsraum; Intervention
– »Der unberechenbare Zeuge«, 2009; Kopierer-Publikation zur Intervention
– »TRAUM I«, 2009; Videoinstallation, 1:37 Min/Loop, Projektion  
– »Stele I«, 2009; Glycerinseife, Stecknadeln

12.2008
Gruppenausstellung »Regionale 9«, Kunsthalle Basel / 29.11.–04.01. / www.kunsthallebasel.ch
– »Bootsfahrt«, 2007; Videomontage, 2:47 Min., Loop, auf iBook
– »Ohne Titel (fahrbare Badekabine)«, 2007/08; Glycerinseife, Holz, Textil, Plane, div. Gegenstände

12.2008
Gruppenausstellung »Dichte Bildwelten 2«, KunstRaum R57, Zürich / 30.11.–21.12.
– »The Bellman ́s Speech«, 2008; Fotografie, 3 Lambda-Prints auf Alu, Audio

04.2008
Gruppenausstellung »MailArt: Schrift/Zeichen/Bild«, Literaturmuseum Immenstadt/DE / 27.04.–29.06.
– »Visual Kidnapping«, 2008; Postkarte

03.2008
Gruppenausstellung »Utopie des Raums«, Päckchen für Kirgistan, Kyrgyz National Museum of Fine Arts, Bishkek/KI / 25.03.–10.04. / www.paeckchen.org
– »Soap to use (for Bishkek)«, 2007; Glycerinseife geprägt, Begleitheft, Schachtel
– »What‘s the Name of Bishkek«, Aufforderung zur Partizipation

12.2007
Gruppenausstellung »Kunstszene Zürich«, Toni Areal, Zürich / 21.12.–06.01.
– »Blick zurück nach vorn (Seife 001–004)«, 2007; Fotografie auf Textil gedruckt
– »Bootsfahrt«, 2007; Videomontage, 2:47 Min., iBook
– »Ohne Titel (fahrbare Badekabine)«, 2007

12.2007
Gruppenausstellung »Dichte Bildwelten 1«, KunstRaum R57, Zürich / 01.–23.12.
– »Blick zurück nach vorn (Seife 001–004)«; Fotografie, auf Textil gedruckt
– »Soap to use«, 2007; Glycerinseife, geprägt, Begleitheft, Schachtel, 50 Multiples

06.2007
Gruppenausstellung »OKKUPATION! Internationales Theaterfestival Zürich« / 06.–17.06.
– »84«, 2007; Glycerinseife, Bronze; Standort: Zürichsee, Kulturzentrum Rote Fabrik, Zürich

07.2006
Seminar Kunsttheorie, Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich, Studienbereich Theorie der Gestaltung und Kunst; Andreas Volk
– »Was ist das Parasitäre Prinzip?«, Präsentation der Arbeitsweise

06.2006
Gruppenausstellung »Swiss Art Awards 2006«, Beitrag Kunstvermittlung, Messe Basel / 13.–18.06.
– »Ermittlungen über das hartnäckig-formidable und kreative Potential des Parasitären Prinzips«, Publikation, Begleitheft, Werkdokumentation

02.2005
Performance-Vortrag für »PARASITuatION«, Cabaret Voltaire, Zürich 
– »Was ist das Parasitäre Prinzip? Neueste Ermittlungen«, performativer Vortrag, Musiker; Dauer: 60 Min.

06.2003
Diplomausstellung Theorie der Gestaltung und Kunst, HGKZ, Zürich / 26.06.–17.07.
– »Ermittlungen über das hartnäckig-formidable und kreative Potential des  Parasitären Prinzips«, 2003, Publikation

02.2002 
Gruppenausstellung »Gewalt-Bilder«, Museum Bellerive, Zürich / 07.02.–19.05.
– »CRUX – ein Wagnis für vier Spieler«, 2002; Brettspiel mit Spielanleitung (Prototyp)
http://www.maevarosset.com/spaceoutwww.hauszurglocke.ch

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Was ist das Parasitäre Prinzip?

1. Um einen Anfang zu setzen: Wir befinden uns in einer vorgegebenen Situation, die in unserem Umfeld stattfindet. Neben der Menge von Dingen, die um uns herum und täglich geschehen, gibt es eine Situation, auf die wir aufmerksam werden. Sozusagen eine Para-Situation, mit der wir uns konfrontiert sehen, da sie anders als gewohnt in Erscheinung tritt. Wir nehmen das andere wahr, doch im Dickicht der Ereignisse und Normen läuft es Gefahr, dass man es aus den Augen verliert. Die Dinge gehen ihren Gang, die Situation ist längst Ereignis, vielleicht schreibt sie sich in die Erinnerung fest.

Eine Form der Protokollierung von Situationen und der Navigation in diesem Ereignismeer, ist der Gebrauch der leeren Karte(*1). Ihrer topographischen Anordnung nach, ist die leere Karte funktionslos, schließlich - ihr Name sagt es bereits - ist sie leer. Ebenso sind die außenstehenden Koordinaten nicht bestimmten Punkten zugeordnet, sondern verweisen auf vage, ungewisse Bereiche. Aufgrund dieser topographischen Ungebundenheit entsteht ein Freiraum für Handlungsmöglichkeiten, ein Spielraum des Blicks und eine Freiheit des Navigierens.

Paradoxerweise bietet die Karte dennoch eine Orientierungshilfe. Aber nicht eine an bestehenden Koordinaten und Systemen, sondern vielmehr eine Leitplanke für Erfahrungen und Vermögen zur Unterscheidung. Dadurch, daß die Leere keinen bekannten Wert enthält, ist der Benutzer zwangsläufig ein Fremder im System und nimmt die Dinge um sich herum mit einem fremden Blick wahr. Zur Orientierung ist eine distinktive Methodik notwendig.
Das Parasitäre Prinzip orientiert sich anhand der leeren Karte.

2. Wir nennen die Methode das groteske Werkzeug. Das Groteske bezeichnet etwas Randständiges, etwas, das sich nicht im Inneren der kulturellen Formation bewegt, sondern den Rahmen dieser Kultur beschreibt. Das Groteske beschreibt die Darstellung des zugleich Monströs-Grausigen und Komischen, des gesteigert Grauenvollen, welches gleichzeitig lächerlich erscheint. Der groteske Stil ist dadurch gekennzeichnet, daß er scheinbar Unvereinbares verbindet. Diese ambivalenten Marginalien aufzuspüren und ins Zentrum des Interesses zu rücken, ist die Aufgabe des grotesken Werkzeugs. Mit dem auf diese Weise herbeigeführten Vermögen zu Unterscheiden, ist es möglich, mit dem Sinnbild der leeren Karte die bestehende kulturelle Ordnung kritisch zu reflektieren.
Das Parasitäre Prinzip konstruiert seine Anfänge aufgrund fremder und ambivalenter Randerscheinungen innerhalb des näheren gesellschaftlichen Umfelds.

3. Nun setzt die produktive Phase ein. Ist das Thema gefunden, tritt das zweite Werkzeug in Kraft: das poetische Werkzeug. Das Wort "poiesis", in seinem Ursprung verwendet, bezeichnet Machen, Verfertigen und steht für ein freies Schöpfertum. Das poetische Werkzeug hebt die klare Trennung von gesicherten Fakten und ungesicherten Fiktionen auf: Faktische Information und fiktive Erzählung beginnen sich zu vermischen. In diesem sich neu formierenden Konstrukt entsteht die Grundlage für den Imaginationsraum, ein flexibles gedankliches Gebilde, das den Blickwinkel auf die eigene Lebenswelt, auf Identität, Heimat, Alltag und Landschaft verschiebt. Für das Parasitäre Prinzip stellt der Imaginationsraum einen immateriellen Mehrwert dar.

Das Parasitäre Prinzip hebt die Trennung von Fakt und Fiktion zugunsten des Imaginationsraums und des daraus resultierenden immateriellen Mehrwerts auf. Das poetische Werkzeug leitet den schöpferischen Prozess ein, und die anfängliche Idee wird in eine Gestalt transformiert. Das ästhetische Medium ist frei wählbar und nicht im Vorfeld definiert. Es kann ein Buch sein oder ein Text, eine Ausstellung oder ein Bild, Installation oder Performation, ... Entscheidend ist, daß mit dem Akt des Transformierens ein Handeln einsetzt, welches nach Außen in Erscheinung tritt. Die Handlung verdeutlicht das kritische Reflektieren einer kulturellen Erscheinung. Das Auftauchen des Parasitären Prinzips durch die Handlung gebiert wiederum eine neue Para-Situation, die ein Kippmoment zwischen Verführung und Ekel erzeugen kann.

Das Auftauchen wird schließlich als Markierung in der leeren Karte verzeichnet, wodurch es einen Ort der Erinnerung erhält. Der neu kartographierte Raum der leeren Karte wird zum poetischen Raum. Das Kartographieren bietet eine Möglichkeit der individuellen Welterfahrung und füllt die mit Fakten versehene Leere mit Erzählungen, mit privatem Raum.
Die Arbeitsweise des Parasitären Prinzips generiert ästhetisches Handeln und kann ein Kippmoment zwischen Anziehung und Abstoßung auslösen.

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*1  Die Geschichte der leeren Karte beruht auf der Erzählung Hunting of the Snark von Lewis Carroll (1876). Hier wird von einer Ozeankarte ohne jede Eintragung berichtet. Allein der Untertitel OCEAN CHART und die Worte NORD, OST, WEST, LÄNGE, BREITE, ÄQUATOR, HEISSE ZONE, SÜDPOL, TAG- UND NACHTGLEICHE, usw., die den Rahmen außerhalb der eigentlichen Karte beschreiben, lassen die Leere im Innern zur Kartographie werden. Auch die üblichen Angaben zu MAßSTAB IN MEILEN lassen keine Konkretion in der Vermessung des Ozeans zu, da sich die Angaben auf die Punktfolge … . ... beschränken. Die Mannschaft des Kapitäns, der diese Karte als Navigationshilfe mit an Bord brachte, war überglücklich mit dieser Leere; konnte doch selbst der einfachste Seemann diese Karte verstehen. Die perfekte und absolute Leere wird gefeiert und als neu und unkonventionell begrüßt, bricht sie doch mit den alten Konventionen der ozeanographischen Vermessung. Nicht Orientierung wird hier angestrebt, sondern Ortlosigkeit. Ozean als Ozean, und der Kapitän verlässt sich nur auf ein Zeichen, um seine Glocke zu läuten. Ein Geräusch, das in der trostlosen Weite des Meeres lediglich eine akustische Spur der Anwesenheit hinterlässt… Trotz der vermeintlichen Unsinnigkeit dieser Karte, kommt sie doch der Erfahrung auf dem Meer näher als jede noch so genaue Kartographie. Mitten auf dem Meer sind Längen- und Breitengrade, Küstenstreifen und Inseln vage Vermutungen und Karten bleiben wissenschaftliche Abstraktionen auf höchstem Niveau. Das Gefühl der beeindruckenden Einsamkeit angesichts der grenzenlosen Weite wird in Carrolls Karte wunderbar eingefangen und vermittelt. Die Karte ist ein Sinnbild, ein Erfahrungsbild für die subjektiv erfahrbare Oberfläche. Frei von aller Beschriftung kann sie neu beschrieben und mit Zeichen versehen werden und bietet somit die Möglichkeit der individuellen Welterfahrung.
vgl. Michael Glasmeier, Leere – Erfahrung – Poesie; S.77; in: Paolo Bianchi/Sabine Folie (hrsg.), Atlas Mapping; Wien: Turia+Kant, 1997